Was Vitamin C leisten kann

Mit Krebs zu leben ist Schwerstarbeit für Geist und Körper. Als wäre die Diagnose allein nicht Strafe genug, plagen Erschöpfung, Schmerzen und Übelkeit als Folge von Operationen, Strahlen- und Chemotherapie den Kranken und schränken seine Lebensqualität häufig massiv ein. Oft reagieren die Schleimhäute mit Entzündungen, es kommt zu Durchfall, Muskel- und Gelenkschmerzen. Diese Symptome schwächen den Lebenswillen des Menschen – und das in einer Phase, in der Kraft und Mut zur Bekämpfung der Krankheit so wichtig sind.

Eigentlich hat der Körper Schutzfaktoren gegen diesen Stress – der wichtigste davon ist Vitamin C. Durch Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie schwindet dieser Schutz: Studien zufolge haben mehr als zwei Drittel aller Krebspatienten einen Vitamin-C-Mangel, der sich nach Chemo- und Strahlentherapie sogar im Skorbut-Bereich bewegen kann. Besonders gravierend ist das Defizit bei fortgeschrittenen Tumoren. Diesen Mangel zu beheben, ist ein Ansatz der sogenannten „komplementären Onkologie“.

In allen Studien wurde eine deutliche Verbesserung der körperlichen, emotionalen und kognitiven Funktionen beobachtet. Parallel verbesserte sich der allgemeine Gesundheitszustand deutlich. Die Patienten gaben vor allem Verbesserungen bei Fatigue, dies ist ein Erschöpfungssyndrom, Depressionen, Schlafstörungen, Schmerzen und Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitverlust an.

Starke Nerven – ohne B-Vitamine geht es nicht

Für Stimmung, klares Denken und starke Nerven ist ein ganzes Ensemble von Vitaminen wichtig, dabei ragt die Gruppe der B-Vitamine heraus: Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B8, B12 und Vitamin B9, besser bekannt unter dem Namen Folsäure. Alle B-Vitamine sind an der Herstellung von Botenstoffen wie Serotonin, Melatonin und Dopamin beteiligt. Diese Botenstoffe sorgen dafür, dass Sie im Alltag ausgeglichen sind, und dass Sie nicht in jeder Stresssituation die Fassung verlieren.

Untersuchungen an Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen legen in vielen Fällen einen Zusammenhang zwischen Mangel an B-Vitaminen und psychischen Auffälligkeiten nahe. Und es ist bekannt, dass B-Vitamine bei alten Menschen die Hirnleistung steigern können. Frauen, die die Pille nehmen, können einen Mangel an Folsäure haben, denn die Pille ist ein Gegenspieler zur Folsäure. Diese wird aber für die Herstellung des Glückshormons Serotonin gebraucht, weshalb Frauen, die die Pille einnehmen, oft Stimmungstiefs haben. Für die Herstellung von Serotonin sind aber auch Vitamin B1, B3 und B6 wichtig. Das Essen von Schokolade sorgt übrigens deshalb für einen Glücksmoment, weil sie den Serotoninspiegel erhöht.

Nerven durchziehen Ihren Körper wie Stromleitungen, die über Land gehen. Dass Sie Berührungen zum Beispiel an Händen oder Füßen wahrnehmen, wird dadurch verursacht, dass die Nervenbahnen in Ihrem Körper die Empfindung zum Kopf weiterleiten. Damit diese Weiterleitung schnell und fehlerfrei funktioniert, sind wiederum B-Vitamine notwendig. Bei Defiziten an Nervenbahnen ist deshalb eine Behandlung mit B-Vitaminen sinnvoll. Auch für eine gesunde und gut aussehende Haut sind B-Vitamine wichtig.

Insbesondere Jugendliche, die viel Fast-Food essen, bekommen wenig von diesen Nervenvitaminen. Daraus resultieren oft erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche sowie aggressives Verhalten. Alkohol führt zu einem hohen Verbrauch von Vitamin B1, was viele der desaströsen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums erklärt.

Stärken Sie Ihre Nerven und steigern Sie die Produktion Ihrer entspannenden und glücksfördernden Botenstoffe, indem Sie regelmäßig Vollkornprodukte wie Vollkornhaferflocken und ungeschälten Reis essen, aber auch Bananen, Nüsse, fetten Fisch und Avocado.

In manchen Fällen kann eine Blutbestimmung der B-Vitamine oder von Homocystein (zeigt einen Mangel der Vitamine B6, B9 und B12 an) sinnvoll sein. Besprechen Sie das gegebenenfalls mit Ihrem Hausarzt oder Heilpraktiker.

Vitamingehalt Obst + Gemüse / Entwicklung

Vergleich zwischen einer 1985 erstellten Studie und den im Jahre 2003 in einem Lebensmittellabor ermittelten Werten in Obst und Gemüse.

Mineralien u. Vitamine
Gehalt in Milligramm je 100g Lebensmittel
1985 2003 Differenz
Brokkoli
Calcium 103 33 minus 68%
Folsäure 47 23 minus 52%
Magnesium 24 18 minus 26%
Bohnen
Calcium 56 34 minus 38%
Folsäure 39 34 minus 12%
Magnesium 26 22 minus 15%
Vitamin B6 140 55 minus 61%
Kartoffeln
Calcium 14 4 minus 70%
Folsäure 27 18 minus 33%
Vitamin C 20 25 + 26%
Karotten
Calcium 37 31 minus 17%
Folsäure 21 9 minus 57%
Erdbeeren
Magnesium 62 19 minus 68%
Vitamin B6 200 82 minus 59%
Vitamin C 51 21 minus 58%
Bananen
Calcium 8 7 minus 12%
Folsäure 23 3 minus 84%
Magnesium 31 27 minus 13%
Vitamin B6 330 22 minus 92%
Spinat
Calcium 21 18 minus 14%
Magnesium 12 13 + 8%
Vitamin C 60 13 minus 67%

Vitamin B12

Vitamin B12, Cobalamin, dient im menschlichen Organismus als Co-Faktor bei der Synthese der Grundbausteine der Erbsubstanz. In der medizinischen Literatur erscheint Vitamin B12-Mangel überwiegend im Zusammenhang mit einer speziellen Form der Blutarmut  der Perniziosa. Ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das jedoch, wenn früh genug erkannt, sehr gut behandelbar ist. Hier bietet die Supplementierung mit Vitamin B12 eine relativ einfache Intervention, die den betroffenen Patienten oft viel Leid und Schaden ersparen kann: Vitamin B12: Nicht nur bei Senioren oft im Defizit !

Im späten Stadium der Perniziosa, aber auch isoliert bei ausgeprägtem Vitamin B12-Mangel, findet sich zusätzlich eine irreparable Schädigung spezieller Nervenzellen, die Impulse im Rückenmark weiterleiten. Diese Störung, Funikuläre Myelose, gehört wie die multiple Sklerose zu den Entmarkungskrankheiten. Schließlich treten psychiatrische Symptome auf, die – ohne Kenntnis erniedrigter Vitamin B12-Spiegel – an eine Schizophrenie erinnern.
Vom Worst-Case zum präventiven Alltag …
In einem Beitrag in der Münchener Medizinischen Wochenschrift [1] wurde mit der Überschrift, „Auf Vitamin B12 im Altenheim achten“ auf eine epidemiologische Studie verwiesen, die in diesem Jahr als Originalarbeit im Journal, Age and Ageing erschienen ist[1].  In dieser bevölkerungsbezogenen Querschnittsuntersuchung an 1048 Personen (Alter 65-100 Jahre), wiesen 6,1% einen kritisch erniedrigten Vitamin B12-Spiegel von weniger als 204 pg/ml auf. Viel wichtiger war jedoch ein weiteres Resultat der Studie: 635 (= 62 %) der untersuchten Senioren hatten einen zu geringen Vitamin B12-Serumspiegel unterhalb von 340 pg/ml.
In der modernen alterspräventiven- und orthomolekularen Medizin werden mittlerweile Vitamin B12-Serumspiegel von mindestens 500 pg/ml als optimal definiert. Der offizielle Referenzbereich, der für Vitamin B12 von medizinischen Labors angegeben wird liegt zwischen 250 -1100 pg/ml.
Nutzen Sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse …
Vor dem Hintergrund der eingangs geschilderten Bedeutung von Vitamin B12 für den Nerven- und Blutzellstoffwechsel, ist die pragmatische Reaktion auf diese- und weitere Studienergebnisse zum Vitamin B12 wie folgt:
• Bestimmung von Vitamin B12 (idealerweise zusammen mit Folsäure und Homocystein) im Serum.
• Falls erniedrigte Vitamin B12-Spiegel, unter 500 pg/ml fest gestellt werden, erfolgt die Anhebung der Spiegel durch Vitamin B12-Supplementierung in das obere Drittel des Referenzbereiches. (Dabei ist die sublinguale Gabe von
Vitamin B12 als Lutschtablette, die unter der Zunge aufgelöst wird eine sehr elegante Methode, die bei Senioren häufig auftretenden Probleme bei der Vitamin B12-Aufnahme aus der Nahrung zu umgehen. Auch die häufig noch angewandte – und im Einzelfall durchaus nötige – Vitamin B12-Spritze kann so vermieden werden.)
Weitere Nutzer-Gruppen für sinnvolle Vitamin B12-Supplementierung:
Außer Senioren und Risikogruppen können und sollten Menschen mit hoher mentaler Beanspruchung sowie Leistungs- und Breitensportler Vitamin B12 in ihr Supplement-Programm integrieren.
Kein „Wundermittel“, aber ein wunderbar effektives Mittel …
Bei bereits eingetretener schwerer Demenz, und ausgeprägten Schäden an Nervenstrukturen des Gehirns, kann die isolierte Vitamin B12-Supplementierung als effektive Therapieunterstützung zu spät kommen. Hier ist die Kombination mehrerer neurotroper Supplemente (Phospholipide, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Ginkgo u.a.) plus Vitamin B12 die überlegenere Vorgehensweise. Doch als präventives Mittel zum Zweck pro Nerven- und Blutzellstoffwechsel ist Vitamin B12 – wie die aktuellen Studienergebnisse belegen – viel mehr als „nur“ empfehlenswert.

Vitamin D – Das Vitamin welches eigentlich keines ist

In den letzten Jahren ist jedoch zunehmend die gesamte Bedeutung einer optimalen „Vitamin D“ Versorgung für die Menschen erkannt worden. Die kürzlich in der Medizinpresse aufgetauchte Schlagzeile – „Vitamin-D senkt Sterblichkeit“ – verdeutlicht, dass es hier um ganz grundsätzliche biologische Mechanismen geht. Die Gesamtsterblichkeit, sowie die auf Krankheiten bezogene Sterblichkeit sind die härtesten Kriterien, wenn eine Therapiein medizinischen Studien getestet werden soll.

Eine Übersichtsstudie der Internationalen Krebsforschungsagentur in Lyon ergab nun, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D  generell die Sterblichkeit senkte [1]. Die Forscher werteten dazu achtzehn einzelne Untersuchungen mit insgesamt 57.311 Teilnehmern aus, die den Effekt von Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungspräparaten auf die Sterblichkeit während eines durchschnittlichen Zeitraums von sechs Jahren überprüften. Sie lag bei jenen Teilnehmern, die Vitamin-D-Präparate konsumierten, um sieben Prozent unter der Mortalität der übrigen Personen.
Erkennen, Vorbeugen und Behandeln eines Vitamin-D-Mangel müsse zu einem Standard in der Gesundheitsfürsorge zählen, kommentierte der Harvard-Mediziner Edward Giovannucci in der Zeitschrift „Archives of Internal Medicine“ die Ergebnisse.


Vitamin D als „Winter-Vitamin“
Ein weiterer faszinierender Befund ist das Zusammentreffen niedriger Vitamin-D Blutspiegel und der erhöhten Rate an Infektionen der oberen und unteren Atemwege.
Niedrige Vitamin D Spiegel und Erkältungen bis hin zur gefährlichen Influenza – nur eine zufällige Koinzidenz? Offensichtlich nicht:
Vitamin D moduliert wichtige Funktionen des Immunsystems und es ist bekannt, dass im Vitamin D Mangelzustand die Infektanfälligkeit steigt. Bereits 1981 postulierte R. Edgar Hope-Simpson, den saisonalen Faktor zur Variation der Sonneneinstrahlung, welcher die jahreszeitliche Häufung von Infektionskrankheiten wie die klassischen Influenza erklärt. J. Canell und Kollegen vom Atascadero
State Hospital in Kalifornien, USA schreiben nun in ihrer Arbeit aus 2006: „Wir sind der Auffassung, dass Vitamin D bzw. dessen Mangel Hope-Simpson’s saisonaler Faktor ist.“ [2]

Nutzen Sie diese Erkenntnisse
Zunächst wäre es sinnvoll, zumindest in den Herbst- und Wintermonaten die Vitamin D Versorgung zu prüfen. Der Status wird durch Messung von 25-Hydroxy Vitamin-D (25-OH-Vit. D) im Serum ermittelt. In jedem Fall sollten 30 ng/ml nicht unterschritten werden. Optimale Spiegel liegen im Bereich zwischen 30-60 ng/mL.
In der EU bzw. in Deutschland liegt das erlaubte obere Limit einer Kapsel/Tablette Vitamin D noch bei 400 IU/Tag (soll aber auf bis zu 2.000 IU/Tag erhöht werden).

Prof. R. Vieth appelliert in einer aktuellen Übersichtsarbeit, die im angesehen American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, eindringlich hier umzudenken. Er warnt vor den Konsequenzen, wenn auf die epidemieartigen Vitamin D-Mangelzustände nicht schnell und angemessen reagiert wird und fordert Änderungen der empfohlenen und in der Selbstmedikation erhältlichen Tageshöchstmenge an Vitamin D [3].

Interessierte Mitbürger mit englischen Sprachkenntnissen können sich auf der hervorragenden Internetseite www.vitamindcouncil.com weiter informieren.
Sie wurde von engagierten Forschern erstellt, ohne, dass finanzielle Ambitionen eine Rolle spielten. Denn, mit Vitamin-D lässt sich nicht viel Geld verdienen, aber sehr viel Prävention fördern.

Literatur:
1. Autier P & Gandini S: Vitamin-D supplementation and total mortality: a meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Intern Med. 2007 Sep 10;167(16):1730-7.
2. Cannell JJ et al.: Epidemic infl uenza and Vitamin-D. Epidemiol Infect. 2006 Dec;134(6):1129-40. Epub 2006 Sep 7. Review.
3. Vieth R et al.: The urgent need to recommend an intake of Vitamin-D that is effective. Am J Clin Nutr. 2007 Mar;85(3):649-50.